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Erste Miscanthus-Nahwärme-Anlage in Österreich

26.6.2012
Über die Effizienz von Miscanthus als Energieressource scheiden sich die Geister-In Petzenkirchen heizt das erste zu 100 Prozent mit Miscanthus betriebene, öffentliche Biomasse-Heizwerk (BHW) Österreichs bereits erfolgreich eine Saison

Projektentwickler Mag. (FH) Johannes Furtlehner von der Betreibergesellschaft n.nahwaerme.at Energiecontracting GmbH & Co KG aus St. Pölten beschäftigt sich schon seit einigen Jahren mit dem Thema „Miscanthus“: „Diese Energiepflanze hat mit Abstand das höchste Potential an Trockensubstanzbildungsvermögen aller Energiepflanzen. Ein Kilogramm Miscanthus hat ca. 4,3 kWh Brennstoffwärme und einen Wassergehalt von nur 12 Prozent. Auf guten Böden in landwirtschaftlichem Intensivgebiet kann mit Trockenmasse-Erträgen von 15 bis 25 Tonnen gerechnet werden. Geerntet werden kann bereits im 2. Jahr der Bepflanzung, da erhält man aber noch nicht den vollen Ertrag, dieser wird im 3. Jahr erzielt. Die Ernte kann Mitte April mit herkömmlichen Maishäckslern durchgeführt werden. Dabei wird das Elefantengras trocken geerntet und direkt vom Feld in die Lagerhalle eingebracht, somit ist bereits im April das Heizmaterial für die gesamte nächste Heizsaison unter Dach und Fach. Hier ist also eine 100-prozentige Versorgungssicherheit gegeben. Da der Miscanthus außerdem meistens von Landwirten aus der unmittelbaren Umgebung geliefert wird, sind die Transportwege kurz.“

Energiereicher und versorgungssicherer Brennstoff

Im konkreten Fall wächst der Miscanthus auf den Feldern der Landwirtschaft Christian und Gerlinde Rauner im Umkreis von nur zehn Kilometern. Das Biomasse-Heizwerk wurde im Zentrum der niederösterreichischen Gemeinde Petzenkirchen auf dem Grundstück der Familie Rauner errichtet. Diese hat auch die Brennstoff-Lagerhalle für das Biomasse- Heizwerk aus eigenen Mitteln gebaut und ist für die Routinebetreuung vor Ort verantwortlich. Christian Rauner: „Ich habe bei diesem Pionierprojekt mitgemacht, weil ich von der Energiepflanze Miscanthus überzeugt bin und so keine Düngemittel, kein Saatgut und keinen speziellen Maschineneinsatz benötige. Ich baue 40 Hektar auf meinen Feldern an, wobei 20 Hektar für das Biomasse-Heizwerk vorgesehen sind, was in etwa 400 Tonnen entspricht. Bislang kann ich sagen, dass ich auf meinen Feldern einen Miscanthus-Ertrag von 17 bis 25 Tonnen hatte. Dass die Energiepflanze ausschließlich hochwertige Böden benötigt, um sehr gut zu wachsen, kann ich nicht bestätigen. Im Gegenteil, meiner Erfahrung nach, verbessert sie sogar die Qualität der Bodenbeschaffenheit.“ Darüber hinaus spricht die lange Nutzungsdauer von bis zu 30 Jahren für den Miscanthus-Einsatz, sind sich beide einig, denn die Pflanze treibt aus den angelegten Rhizomestöcken („Wurzelstöcken“) nach der Ernte alljährlich neu aus.

Das Biomasse-Heizwerk im Detail

Das BHW in Petzenkirchen wurde in nur drei Monaten Bauzeit errichtet und am 14. November 2011 offiziell in Betrieb genommen. Es versorgt über ein 650 Meter langes Nahwärmenetz insgesamt acht Wärmeabneh mer (Gasthaus Bärenwirt, Haubis, Volksbank, Kindergarten, Volksschule, Kirche und Pfarrhof sowie Wohneinheit der Familie Rauner). Die Jahreswärmeabgabe liegt bei ungefähr 1.200 MWh. Der jährliche Brennstoffbedarf beträgt ca. 400 Tonnen Miscanthus, die nach der Ernte eingelagert werden müssen, deshalb ist das Brennstofflager großzügig dimensioniert. Die Wärmeerzeugung im BHW Petzenkirchen erfolgt im Winter durch eine Binder TRSF 300 KW-Kesselanlage (inklusive Abgasreinigung), die speziell für den Einsatz von Miscanthus adaptiert worden ist. Im Sommer wird mit einer 150 kW-Kesselanlage von der Firma ETA geheizt. Als Ausfallsreserve ist ein Anschluss für eine mobile Heizzentrale vorgesehen. Die Ascheaustragung erfolgt mittels Steigschnecke in einen dafür vorgesehen Container.

Zur Abdeckung von Spitzenlasten und tageszeitlich bedingten Schwankungen des Wärmeverbrauchs wurde ein 20 m3-Pufferspeicher der Angerer Tank- und Behältertechnik GmbH installiert. Die gesamte Anlage des Heizwerks kann vollautomatisch betrieben werden. Heizwart Christian Rauner und ein Fernwartungssystem garantieren eine bestmögliche und sichere Wärmeversorgung der angeschlossenen Haushalte. Die produzierte Wärme-Energie wird in das jeweilige Heizsystem der Abnehmer mittels Übergabestationen von Aqotec eingebracht.

Positive Zwischenbilanz

Nach der ersten Wintersaison, die das BHW Petzenkirchen gemeistert hat, fragte das zekmagazin bei den Verantwortlichen nach, wie sie denn gelaufen sei: „Wir haben eingeschaltet, und die Anlage ist bislang problemlos gelaufen. Die Herausforderung liegt an der Einstellung und Regelung, weil sich der Trockenbrennstoff Miscanthus beim Verbrennen anders als andere Energieträger verhält. Aber das sind Erfahrungswerte, die sich im Laufe der Zeit ergeben werden“, so Projektentwickler Furtlehner. Dass das BHW seit dem ersten Einheizen im November 2011 sehr gut funktioniert, bestätigt Bärenwirt Erich Mayrhofer: „Ich bin bei der Wärmeenergieversorgung von Gas auf Miscanthus umgestiegen, weil mir der Umweltschutz und die Nachhaltigkeit wichtig sind. Außerdem erspare ich mir dadurch Zusatzkosten wie z.B. die Gaskesselüberprüfung. Bislang bin ich mit der Heizleistung und dem Service der Verantwortlichen des BHW Petzenkirchen sehr zufrieden.“

nahwaerme.at

Artikel teilen: GastautorIn: JF für oekonews.
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